fußball

Fußball ist Krieg

Militärmetaphern in der Fußballsprache

  1. Einleitung

Diese Arbeit wurde geschrieben im Rahmen des Seminars: Historische Semantik des Fachbereichteils Germanistische Linguistik an der Universität Trier. In der Historischen Semantik geht es darum, Aspekte der Semantik im Verlauf der Zeit zu betrachten und zu analysieren. Deswegen bietet dieser Bereich der Semantik viele Möglichkeiten für Untersuchungen. Je mehr Auswahl man hat, ein Thema für eine Hausarbeit auszuwählen, desto schwerer fällt dem Studenten oft die Entscheidung. So ging es auch mir, bis ich im Sommer 2006 wie wahrscheinlich alle Deutschen dem Fußballfieder verfallen bin und mir fast alle Spiele der FIFA WM 2006 angesehen habe. Irgendwann hat sich mir dann die Frage gestellt: Woher kommen eigentlich diese ganzen militärischen Wörter im Fußball?

Diese Frage wurde zum Grundstein dieser Arbeit. Obwohl der Fußball seine ursprünglichste Form im alten China als eine Art Militärsport hatte, wurde deutlich, dass dieser Zusammenhang nichts mit dem häufigen Auftreten der Militärmetaphern zu tun hat, da der Sport in China in Vergessenheit geriet und der europäische Fußball sich aus einer Art Rugby entwickelte. Also musste diese Erscheinung einen anderen Grund haben. Diese Begründung versucht diese Arbeit zu liefern. Außerdem geht es darum, die Bedeutungsverschiebungen, die vom Militär zum Fußball stattgefunden haben, herauszuarbeiten und darzustellen.

Im folgenden Artikel wird eine kurze Übersicht über die allgemeine Bedeutung und die Funktion von Metaphern gegeben, um allen Lesern das Phänomen der Metaphern näher zu bringen. Nach dieser allgemeinen Einführung folgt im dritten Kapitel das Aufstellen der These „Fußball ist Krieg“ und deren Begründung. Hierzu wird zuerst die Funktion von Strukturmetaphern erläutert. Schließlich wird erklärt, warum sich der Bereich Krieg, bzw. Militär besonders als Herkunftsbereich für Strukturmetaphern eignet. Im Punkt 3.3. wird dann im Gegenzug dargelegt, weshalb Fußball, bzw. Sport als Zielbereich für eine solche Strukturmetapher aus dem Bereich Krieg bzw. Militär besonders anfällig ist. Das vierte Kapitel beschäftigt sich zu guter Letzt mit der Corpusanalyse der ausgewählten Militärmetaphern. Hier soll gezeigt werden, welche Bedeutungen die Beispiele im Militär im Unterschied zum Sport besitzen. Außerdem wird gezeigt, wann die Wörter besonders häufig verwendet werden und worauf diese Verwendung zurückzuführen ist.

  1. Bedeutung und Funktion von Metaphern

Im folgenden Kapitel soll eine kurze Übersicht über die Bedeutung von Metaphern für Sprache und über ihre Funktionen gegeben werden. Diese Einführung soll das Verständnis für die nachstehenden Ausführungen und die Corpusanalyse erhöhen. Eine Metapher funktioniert, indem Wörter und ihre Bedeutungen aus einem bestimmten Lebensbereich auf einen nicht damit verwandten Bereich des Lebens übertragen werden. Für den hier besprochenen Zusammenhang heißt das, es werden Wörter aus dem Bereich Militär bzw. Krieg auf den Bereich Sport bzw. Fußball übertragen. Auf den ersten Blick haben diese beiden Lebensbestandteile keine oder nur wenige Vergleichbarkeiten. Warum sie dennoch sehr ähnlich sind, wird später noch erörtert werden.

Durch das Einsetzen eines Lexems in einen Zusammenhang, der eigentlich nicht im Sprachgebrauch des Wortes liegt, werden gedankliche Verknüpfungen erzeugt, die beide Bereiche miteinander verbinden. Dies erkennt man häufig nicht auf den ersten Blick, aber dennoch werden die Fäden im Unbewussten miteinander verbunden. So entsteht durch die Metapher eine neue zusammenhängende Sichtweise für einen bestimmten Gegenstand. Hierbei ist es allerdings so, dass nur bestimmte Aspekte des Herkunftsbereiches auf den Zielbereich übertragen werden. Der passende Zielbereich des Metapherngebers wird übertragen, während die unpassenden Bereiche im Dunkeln bleiben. Trotzdem können die Bedeutungen der verdunkelten Bereiche mit dem Zielbereich assoziiert werden, da sie zwar nicht direkt ersichtlich sind, aber dennoch zur Bedeutung des Herkunftsbereiches gehören. Außerdem kann eine Metapher dazu dienen, Vertrautheit bei einem unvertrauten Gegenstand zu erwecken, so dass etwas Fremdes oder Neues als vertraut erscheint. Sie wird einem Herkunftsbereich entnommen (Krieg) und auf einen Zielbereich (Sport) angewendet. Dadurch überträgt sie unsere Assoziationen mit dem Phänomen Krieg auf den Lebensbereich Sport. Ebenso funktioniert die Metapher für alle anderen Bereiche. Deswegen unterscheidet sich die Metapher auch vom sprachlichen Mittel des Vergleichs. Während der Vergleich aussagt, dass etwas so ist wie etwas anderes, spricht die Metapher davon, dass etwas das andere ist und überträgt auf diese Weise auch die Eigenschaften des Herkunftsbereiches auf den Zielbereich.

Metaphern durchziehen unser gesamtes Sprechen, auch wenn viele Metaphern nicht mehr als solche erkannt werden, weil sie so häufig benutzt werden, dass sie in den normalen Sprachgebrauch eingegangen sind. Sie dienen dazu, Bereiche unseres Lebens zu beschreiben für die es keine eigenen Wörter gibt. Als Herkunftsbereich für solche Metaphern dienen häufig Gebiete, die unmittelbar mit dem menschlichen Körper und dessen Orientierung im Raum zusammenhängen. Als Beispiel sei hier die von Johnson und Lakoff besprochene Metapher von oben ist gut, unten ist schlecht vorgestellt.1 Der Mensch bewegt sich im Raum aus nachvollziehbaren Gründen (z.B. Gravitation) auf eine Art und Weise, bei der sich sein Kopf, also sein Geist, seine Intelligenz oben befindet, während seine Füße am Boden sind. Ein gesunder Mensch geht aufrecht, befindet sich also oben. Gebeugt, also unten, geht man, wenn man alt oder krank ist. Dies sind einige Gründe, weshalb der Mensch oben mit gut und unten mit schlecht gleichsetzt, wodurch Metaphern wie die folgenden entstehen: Mein Kontostand hat unermessliche Höhen erreicht. Oder: Mein Kontostand ist im Keller. Dieses Beispiel soll deutlich machen, wie bedeutend Metaphern für die Kommunikation sind. Es zeigt, dass Metaphern in allen Bereichen unseres Lebens eingesetzt werden und gebraucht werden, ohne dass sie als Metaphern erkannt werden. Metaphern stellen die wichtigste Form des bildlichen Sprechens dar und ermöglichen es dem Sprecher, Dinge auszudrücken, für die es kein bestimmtes eigenes Wort gibt.

  1. Fußball ist Krieg

Der Fußball in Europa ist zu einer Zeit populär geworden, in der das Militär eine andere Bedeutung für die Gesellschaft hatte als heute. In der Zeit des preußischen Kaiserreiches war das Militär, bzw. der Rang eines Offiziers stark mit dem Begriff Ehre verbunden. Ein Offizier besaß hohes Ansehen in der Gesellschaft, unabhängig von seiner Herkunft oder seinem finanziellen Hintergrund. Außerdem gab es zu dieser Zeit eine allgemeine Wehrpflicht, so dass jeder männliche Bürger mit den Strukturen und der Bedeutung des Militärs vertraut war. Dies ist wichtig zu wissen, weil auf diese Weise eine Voraussetzung dafür geschaffen wurde, weshalb Militärbegriffe im Fußball eingesetzt werden konnten, da sie von der gesamten Bevölkerung verstanden wurden. Auch wenn jemand keine Vorstellung davon hatte, wie ein Fußballspiel aufgebaut ist, so konnte er durch die von der Begriffswahl hervorgerufenen Assoziationen dennoch verstehen, wie dieser Sport funktioniert. Der eigentliche Militärsport war zu dieser Zeit das Turnen, erst später wurde Fußball auch im Militär gespielt, vor allem um den Mannschafts- und Kameradengedanken der Soldaten zu festigen. Fußball war der Sport der unteren Schichten und wurde erst im Laufe der Zeit, mit dem verschwimmen der Standesunterschiede zu dem Massensportereignis, welches er heute ist.

Das folgende Kapitel bildet die Arbeitsgrundlage für die nachstehende Corpusanalyse. Zuerst werden die Eigenschaften von Strukturmetaphern dargestellt, da die Metapher Fußball ist Krieg als solche zu betrachten ist. Danach wird das Militär als Herkunftsbereich der Metapher vorgestellt, sowie Sport, in diesem speziellen Fall der Fußball, als Zielbereich.

3.1 Strukturmetaphern

Als Strukturmetaphern werden Metaphern bezeichnet, durch deren Einsatz die Struktur eines bestimmten Gebietes auf die Struktur eines noch nicht näher bekannten Bereiches des Lebens angewendet wird. Sie dienen also der Strukturierung noch unbekannter Sachverhalte. Die Handlung „Fußballspiel“ ist also nach dem Prinzip des Krieges strukturiert.

Die elementarsten Werte einer Kultur sind mit der metaphorischen Struktur der elementarsten Konzepte dieser Kultur kohärent.“2 Mit dieser Aussage meinen Lakoff und Johnson, dass die metaphorischen Konzepte unserer Kultur auf den elementaren Werten unserer Kultur basieren. Die Metaphorik einer Sprache orientiert sich an Kultur und Gesellschaft. Das heißt also, dass Strukturmetaphern gesellschaftlich verankert sind und zu den festen Bestandteilen einer Kultur gehören. Als Metapherngeber für Strukturmetaphern können nur solche Lebensbereiche herangezogen werden, die für das Leben der Menschen elementar sind und somit eine zentrale Bedeutung darin besitzen. Sie können dennoch viele verschiedene Ursprünge haben. Diese können im gesellschaftlich-kulturellen Bereich liegen, aber auch im physischen Bereich. Alles was mit der Physik des menschlichen Körpers zu tun hat, ist den Menschen so vertraut, dass es sich besonders gut für die Strukturierung anderer Lebensbereiche eignet. Je nach der Bedeutung eines Herkunftsbereiches für die jeweilige Kultur sind Metaphern aus solchen Gebieten häufiger vertreten. Metaphern beruhen auf unseren eigenen Erfahrungen, weswegen sie nicht nur unsere Sprache strukturieren, sondern auch unser Denken, unsere Einstellung und unser Handeln.3

Eine Strukturmetapher sorgt dafür, dass wir eine bestimmte Sache (Fußball) mit den Begriffen und damit auch den Bedeutungen einer anderen Sache (Krieg) benennen und die neu definierte Sache deswegen gedanklich mit der definierenden in Verbindung bringen. Durch die Kriegsmetaphorik in der Sportsprache werden demnach Emotionen, Ansichten, Strukturen,Abläufe und die Bedingungen des Krieges auf den Sport übertragen. Dabei ist der Kontext der Aussage entscheidend für das Verstehen des Gesagten. Wie oben bereits erwähnt werden verschiedene Aspekte des Krieges in der Sportsprache hervorgehoben, während andere verdunkelt werden. Um zu verstehen, welche Bedeutung der Sprecher einer bestimmten Metapher gibt, muss also ihr Kontext bedacht werden. Selbst wenn Metaphern bereits konventionalisiert sind, also nicht mehr als neu und innovativ erscheinen, sondern von uns als nichtmetaphorische alltagssprachliche Aussage aufgefasst werden, implizieren sie weiterhin die übertragenen Bedeutungen.

Strukturmetaphern erlauben es, „dass wir ein komplex strukturiertes und klar umrissenes Konzept benutzen, um damit ein anderes zu strukturieren.“4 In unserem Fall bedeutet dies, dass durch das bereits bestehende, komplexe, klar strukturierte Konzept Krieg die Konzepte Wettkampf, Sport und schließlich auch Fußball strukturiert werden. Um zu erläutern weshalb das so ist, dienen die folgenden beiden Abschnitte dazu, das Militär bzw. den Krieg als Herkunftsbereich und Sport bzw. Fußball als Zielbereich zu charakterisieren.

3.2. Militär als Herkunftsbereich

Krieg und Militär stellen den perfekten Herkunftsbereich für Strukturmetaphern dar; zu der Zeit, als Fußball begann, sich in Deutschland auszubreiten, noch mehr als heute. Damals, also in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, war das Militär ein zentraler Teil der Gesellschaft und auch Kriege wurden vom Großteil der Bevölkerung selbst erlebt. Jeder männliche Deutsche war mit den Strukturen und der Sprache des Militärs vertraut. Durch diese zentrale Bedeutung des Themas im Leben der Menschen bietet es sich besonders als Metapherngeber an. Der Herkunftsbereich einer Strukturmetapher benötigt ein „starkes kulturelles Fundament“5 , das sich aus den „kulturellen Erfahrungen“6 der Bevölkerung ergibt. Diese Erfahrungen können aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen stammen; wichtig ist nur, dass jeder Mensch damit vertraut ist und es eine bestimmte Art und Weise gibt, in der über das jeweilige Thema gesprochen wir. Zu diesen Bereichen gehört die Emotionalität, die Mentalität, die Kultur und auch die physische Beschaffenheit des Körpers. Befindet sich ein Volk oder Staat im Kriegszustand, so handelt es sich um eine Erfahrung, die kollektiv erfahren wird. Die gesamte Bevölkerung nimmt daran Anteil, kennt sich mit den Abläufen und auch mit der Sprache aus.

Aber Krieg ist nicht nur eine kollektive, gesellschaftlich-kulturelle Erfahrung, sondern auch eine natürliche Art der Erfahrung von Menschen. Es handelt sich dabei um „Produkte der menschlichen Natur“7. Das Kämpfen an sich liegt in der Natur des Menschen. Schon immer musste er sein Leben im Kampf aufs Spiel setzen, um sein Leben zu sichern. Beispielsweise können wir die menschliche Natur des Kampfes bereits in den frühesten Bereichen des menschlichen Lebens feststellen. In der Steinzeit war der Mensch gezwungen, mit der Natur bzw. den Tieren einen direkten physischen Konflikt einzugehen, um seine Nahrungsgrundlagen abzudecken. Er setzte sich einer Gefahr auf Leben und Tod aus. Dieser Teil der menschlichen Natur hat sich im Laufe der Zeit, als die Nahrungsgrundlagen auf andere Art und Weise beschafft werden konnten, zum Kriegsgeschehen hin entwickelt. Somit kann Krieg als Teil der menschlichen Natur betrachtet werden; er kommt aus dem Menschen selbst und ist ihm deswegen besonders vertraut und somit als Metapherngeber geeignet. Krieg ist ein „institutionalisierter physischer Konflikt“8, der mit der ursprünglichen Art des Kampfes nicht mehr viel gemein hat. Dennoch ist die Grundstruktur des Kämpfens erhalten geblieben: Angriff und Verteidigung, Sieg und Niederlage.

Aus der Entwicklung des ursprünglichen physischen Kampfes zum institutionalisierten Kampf hat sich schließlich der Wettkampf entwickelt. Wettkampf dient den Menschen dazu, auch in Friedenszeiten ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, indem er ihnen die Möglichkeit gibt, sich zu profilieren, Stärke und Überlegenheit zu zeigen. Darum geht es auch im Krieg und der Mensch ist in der Regel darum bemüht, seine Position zu festigen und dabei an Boden zu gewinnen. Beim Wettkampf bzw. Sport handelt es sich also um eine abgeschwächte Version des Krieges. Man kann auch sagen, dass Sport als Kriegsersatz betrieben wird, um einen in unserer Kultur lange Zeit elementaren Bereich zu ersetzen. Sport ist Krieg, die Wahrheit dieser Metapher erkennt man auch daran, dass noch heute in dem Wort Wettkampf das Lexem Kampf enthalten ist.

Allerdings ist es nicht so, dass der Bereich Krieg eins zu eins auf den Bereich Sport übertragen wird. Die Kriegsmetaphern im Sport beleuchten nur bestimmte Aspekte des Krieges, zum Beispiel Sieg und Niederlage, während solche Aspekte wie Tod ausgeklammert werden.9 So dient der Krieg dem Fußball vor allem in den Bereichen Verlauf und Struktur als Metapherngeber. Um andere Aspekte des Sports hervorzuheben, muss sich der Sprecher deswegen einen anderen Metapherngeber suchen. Andere Gründe, weshalb Krieg sich als Herkunftsbereich anbietet, sind die klare Strukturierung der militärischen Sprache sowie die Strukturierung von Militär und Krieg an sich. Außerdem verfolgen Sport und Krieg in gewisser Weise denselben Zweck. Im Sport können nationale Differenzen gewaltfrei ausgetragen werden, die Sportler können Überlegenheit zeigen und Stärke beweisen, eine Mannschaft kann ihre Stellung innerhalb der Tabelle festigen und dergleichen mehr. Letztendlich wirken sich die Kriegsmetaphern aber auch auf die Erfahrungen und Handlungen aus, die der Mensch im Sport macht. Sport wird zwar nicht klar als Krieg definiert, aber durch die Verwendung von Militärmetaphern ist die Ähnlichkeit klar dargestellt, weswegen Sport als eine Art von Krieg wahrgenommen wird.

3.3 Fußball als Zielbereich

In einem sportlichen Turnier kämpfen unterschiedliche Nationen um den Sieg. In einem Krieg kämpfen unterschiedliche Nationen um den Sieg. Diese beiden Sätze beinhalten trotz ihrer unbestreitbaren Ähnlichkeit sehr verschiedene Informationen und verursachen ganz unterschiedliche Vorstellungen für den Leser dieser Sätze. Im ersten Satz ist von Wettkampf die Rede, im zweiten von Kampf. Wo besteht nun der Unterschied in diesen beiden Kampfarten und welche Ähnlichkeiten und Unterschiede gibt es demnach zwischen Krieg und Sport bzw. Fußball? Welche Gründe gibt es für die häufigen Militärmetaphern im Fußball?

Der natürliche physische Kampf des Menschen ums Überleben wurde im Laufe der Jahrhunderte immer öfter an den Kriegsschauplätzen ausgetragen und immer weniger häufig in einem physischen Kampf Mann gegen Mann oder sogar Mann gegen Tier. Kriege indes wurden immer seltener und auch nicht alle Menschen waren aktiv in solche verwickelt. Dennoch will der Mensch seinem Drang nach Kampf, um sich zu beweisen, seine Stärke zu demonstrieren und zu gewinnen, nachgeben. Eine Möglichkeit hierzu findet er im Wettkampf. Ein solcher Wettkampf kann in den unterschiedlichsten Arten und Weisen ausgetragen werden, nicht immer muss es sich dabei um einen sportlichen handeln. Trotzdem ist ein Wettkampf immer eine sportliche Angelegenheit. Das Wissen der Menschen über den physischen Kampf wird auf den Sport übertragen. Sport bietet sich nun aus verschiedenen Gründen besonders dazu an, den natürlichen Kampftrieb des Menschen auch in Friedenszeiten auszuleben. Er besitzt eine große Körperlichkeit, Kräfte können aktiv miteinander gemessen werden. Die Intelligenz steht im Hintergrund. Weil Sport als Kampf verstanden wird, sprechen wir auch in dieser Art und Weise darüber, eben als wäre er ein physischer Kampf auf Leben und Tod. Dadurch wird auch unser Verhalten im Sport angepasst. Gegnerische Fanblöcke befinden sich ebenfalls im Krieg miteinander. Sie versuchen während des Spiels den Gegner durch ihre „Kampfgesänge“ zu schlagen, nach dem Spiel artet diese Art von Auseinandersetzung nicht selten in wirkliche physische Auseinandersetzungen aus. Durch diese Allgegenwärtigkeit der Kriegsmetapher im Fußball erscheint uns der Sport in unserer Vorstellung als kriegerische Handlung, auch wenn er keine solche ist. Andere Aspekte wie Fairness oder Spiel werden weitestgehend ausgeklammert. Um über solche Eigenschaften des Sports zu sprechen, muss eine andere Sprache gewählt werden. Mit den Kriegsmetaphern kann darüber nicht gesprochen werden.

Wird eine Sportart neu in eine Gesellschaft eingeführt, dann muss eine gemeinsame Fachsprache für diesen Sport gefunden werden, in der Eingeweihte darüber sprechen können. Besonders geeignet sind hierfür bereits vorhandene Sprachen, die einer breiten Bevölkerungsschicht bekannt sind und bereits von ihnen verwendet werden. Die Militärsprache war lange Zeit eine solche. In der heutigen Zeit ist die Militärsprache nicht mehr so gegenwärtig wie zu der Zeit, als der Fußball in Deutschland Fuß fasste. Wie bereits erwähnt waren Krieg und Militär zur damaligen Zeit ein allgegenwärtiges Thema. Um die neue Sportart Fußball zu erklären und zu beschreiben, bot sich diese Sprache also an. Hinzu kommen die Ähnlichkeiten, die zwischen Sport und physischem Kampf bestehen. Auch ein Laie konnte sich durch die Beschreibung eines Fußballspiels mit Hilfe von Miltärmetaphern vorstellen, wie ein solches Spiel vonstatten geht, ohne selbst ein Spiel gesehen zu haben. Für die Sportberichterstattung ist dies besonders wichtig. Damals wurde über Sportereignisse entweder in den Zeitungen oder im Radio berichtet. Damit solch ein Bericht in der Vorstellung der Menschen erfolgreich sein konnte, war eine bekannte Sprache nötig, die die wichtigsten Aspekte des Spiels ansprechend beschreibt. Dabei war es auch wichtig, die entsprechenden Gefühle bei den Zuhörern zu wecken. Krieg und Militär als ein allgemein bekannter Lebensbereich konnte diese Bedingungen besonders gut erfüllen. Auf diese Art und Weise ist es auch einfacher zu verstehen, welche Bedeutung Sport bzw. Fußball für den Menschen bzw. Sportler hat. Ein Fußballspiel kann als Schlacht innerhalb eines Krieges verstanden werden. Schauplatz der Schlacht ist das Fußballfeld. Feld ist hier ebenfalls eine Militärmetapher. Der Fußballplatz wird zum „Feld der Ehre“. Eine Bundesligasaison wird als Krieg verstanden, Kriegsschauplatz ist die Bundesligatabelle. Noch deutlicher wird dies, wenn wir die Abläufe einer Weltmeisterschaft betrachten. Hier treten nicht nur verschiedene Mannschaften gegeneinander an, sondern unterschiedliche Nationen, so wird die Ähnlichkeit zum Krieg noch deutlicher. Vor allem die Strukturen innerhalb eines solchen Systems sind denen im Krieg sehr ähnlich. Es gibt verschiedene Armeen (Mannschaften, Nationalitäten), die gegeneinander kämpfen (Fußball spielen), um zu entscheiden, wer Sieger und wer Besiegter ist.

Ein Fußballspieler befindet sich also in einer kriegsähnlichen Situation, wenn er sich auf dem Spielfeld befindet. Es besteht eine Kohärenz zwischen Krieg und Fußball. Krieg und Fußball sind zwar keine identischen Aktivitäten, aber sie haben eine hohe Ähnlichkeit, die durch die häufige Verwendung von Militärmetaphern noch verstärkt wird. Denn auch ohne die Verwendung dieser Metaphern können Sport und Fußball kriegsähnliche Eigenschaften nicht abgesprochen werden.

  1. Corpusanalyse

Für die Korpusanalyse wird das DWDS (Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache) als Quelle genutzt. Von den vorhandenen Corpora wird dabei auf den Kerncorpus und den Corpus der gesprochenen Sprache zurückgegriffen. Um die Anzahl und Auswahl von Belegen einzugrenzen, sind verschiedene Jahre zwischen 1900 und 2000 ausgewählt worden. Dabei war es mir wichtig, Jahre zu wählen, in denen sportliche Ereignisse, insbesondere im Fußball, oder Kriege stattgefunden haben. Für die Kriegsereignisse wurden die Jahre 1919, 1939, 1941 und 1945 ausgewählt. Im Jahr 1936 fanden die Olympischen Spiele in Deutschland statt. 1954, 1966 und 1990 sind Weltmeisterschaftsjahre. Die Jahre 1923, 1925, 1975 und 2000 dienen der Vervollständigung dieser Auswahl. Aus dem Textkorpus wurden nur die Belege aus Zeitungsartikeln ausgewählt, da die Verwendung von Militärmetaphern im Fußball vor allem im Bereich der Sportberichterstattung zu finden ist. Der Corpus der gesprochenen Sprache wurde hinzugefügt, weil die Verwendung von Miliärmetaphern in der mündlichen Sprache noch größer ist als in der geschriebenen Sprache. Die Auswahl der untersuchten Wörter geschah mehr oder minder zufällig, wobei aber darauf geachtet wurde, Metaphern aus den verschiedenen Bereichen des Sports zu wählen. Also Metaphern für Personen, Struktur, Ereignisse auf dem Spielfeld, Technik und Taktik, um ein möglichst breites Sprektum der verwendeten Metaphern zu erhalten.

In der Analyse der einzelnen Metaphern wird wie folgt vorgegangen. Zuerst werden die Bedeutungen der Wörter aus den verschiedenen Lexika vorgestellt. Dabei werden ein allgemeinsprachliches Lexikon, ein Fußballlexikon und ein Militärlexikon verwendet. Dadurch soll gezeigt werden, welche unterschiedlichen Bedeutungen den Wörtern in den verschiedenen Bereichen zugerechnet und dem Verwender empfohlen werden. Danach werden die aus dem DWDS gewonnenen Verlaufsgrafiken für die jeweiligen Wörter interpretiert und erläutert, damit ein Gesamteindruck für die Verwendung der Wörter im 20. Jahrhundert entsteht. Schließlich erfolgt die Analyse der gefundenen Belege für den Bereich Krieg / Militär und den Bereich Sport / Fußball. Hier soll gezeigt werden, in welchem Zusammenhang die Wörter besonders häufig verwendet werden und welche Bedeutung sie in der jeweiligen Verwendung besitzen. Um die erzielten Ergebnisse zu verstärken, werden sie mit den automatisch erstellten Kollokationen des DWDS ab geglichen. Ziel ist es, die Unterschiede der Bedeutungen für den Bereich Krieg und den Bereich Fußball deutlich zu machen.

    4.1. Abwehr

    Das Wort Abwehr erscheint im allgemeinsprachlichen Lexikon nur in Form von Komposita. Folgende Wörter werden erläutert: Abwehrmechanismen, Abwehrspannung und Abwehrsystem. Es handelt sich demnach um Maßnahmen des Körpers, die Konflikte oder Bedrohungen abwenden sollen, also körperliche Abwehrmechanismen. Sie fallen in den Bereich der Medizinsprache und haben den Erhalt der Gesundheit als Hintergrund. Abwehrmechanismus ist eine unbewusste Verhaltensweise des Körpers, wenn Gefahr droht. Hierzu kann auch die Verdrängung im psychologischen Bereich gezählt werden. Abwehrspannung meint die Anspannung der Bauchmuskeln bei entzündlichen Erkrankungen wie beispielsweise einer Blinddarmentzündung, während Abwehrsystem von Immunsystem abgeleitet ist.10

Im Bereich des Sports sind drei Bedeutungsvariationen des Wortes möglich. Aus ihnen werden außerdem etliche Komposita gebildet. In der ersten Bedeutung bezeichnet Abwehr alle Spieler der Defensive, bzw. der Verteidigung in ihrer Gesamtheit. Hierzu zählen in der Regel alle Spieler zwischen den defensiven Mittelfeldspielern bis hin zum Torwart. Als zweite Bedeutung bezeichnet Abwehr eine einzelne Spielhandlung, in der der Ball abgewehrt wird. Dies geschieht in der Regel durch den Torwart, da hier die Gefahr durch den Ball am größten ist, kann aber auch durch jeden beliebigen anderen Spieler durchgeführt werden. Eher ungebräuchlich ist die letzte Bedeutungsmöglichkeit für das Lexem Abwehr. So kann Abwehr auch den Ball selbst bezeichnen, nachdem dieser abgewehrt wurde.11

Militärisch steht Abwehr für eine Gefechtsart der Landstreitkräfte, deren Ziel die Vernichtung des Gegners und das Vereiteln seiner Pläne ist. In der Regel soll eine Abwehr von beweglichen Truppen durchgeführt werden. Sollte die Situation es aber erfordern, kann diese Gefechtsart auch aus der Verteidigungsstellung heraus eingesetzt werden.12

Die Verlaufsgrafik des DWDS zum Lexem Abwehr zeigt ein Maximum an vorhandenen Einträgen in den 1940er Jahren, also zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, als in Zeitungen häufig Berichte über die Front und vor allem auch über die Abwehr von feindlichen Flugzeugen zu finden sind. Auch für die 1930er Jahre sind noch 279 Einträge verzeichnet. In der Nachkriegszeit findet sich das Lexem besonders häufig in den 1960er Jahren. Hier wird es nicht nur für die aktive militärische Abwehr verwendet, sondern auch für die Abwehr im Sinne der Geheimdienstarbeit im Zusammenhang mit dem Kalten Krieg. Besonders oft wird das Lexem in diesem Zeitraum in Zeitungstexten und in der Belletristik verwendet. Der Anstieg im Bereich der literarischen Texte ist wahrscheinlich auf des vermehrte Erscheinen von Literatur über den Zweiten Weltkrieg zurückzuführen. Auffällig ist außerdem der starke Anstieg des Wortes in der Gebrauchsliteratur während der 1990er. Im Zuge des Wellnesstrends kann davon ausgegangen werden, dass dieser Anstieg mit dem gestiegenen Interesse der Gesellschaft an gesundheitlichen Themen zusammen hängt und Abwehr demnach im Sinne der Bedeutung des Allgemeinen Lexikon verwendet wird. Das Minimum befindet sich mit nur 93 Funden in den 1910er Jahren.13

Im Kernkorpus des DWDS finden sich für das Wort Abwehr in erster Linie Einträge im Bereich des Krieges, aber auch der Politik. In beiden Fällen wird das Lexem im Zusammenhang mit Gefahr14 und Angriff15 verwendet. Die Angriffe eines politischen oder kriegerischen Gegners sollen vereitelt werden und wenn möglich zum eigenen Vorteil genutzt werden. Dies erkennt man vor allem an der häufigen Verwendung des Wortes „trotz“.16 Durch die Abwehr kann dem Gegner getrotzt werden, der Angriff wird also niedergeschlagen, oder aber man selbst „trotzt“ der gegnerischen Abwehr und kann so den eigenen Angriff erfolgreich durchführen. Abwehr erfolgt immer als Reaktion auf eine Bedrohung von Leben, Land, Staat oder Sieg. Sie wird dargestellt, als wäre sie eine kollektive Leistung, indem oft von „unserer Abwehr“17 gesprochen wird. Vor allem in Kriegszeiten wird so die Bevölkerung auf der Gefühlsebene stärker an das Geschehen herangeführt. Außerdem wird die Abwehr immer wieder mit körperlichen Eigenschaften wie stark und zäh, oder aber auch Adjektiven wie heftig und hartnäckig umschrieben. Diese Zusammenhänge zeigen sich auch in den Kollokationen, die durch das DWDS automatisch für das Lexem Abwehr zusammengestellt wurden. Die Wörter Angriff, feindlich und Gefahr befinden sich an den obersten Stellen der Liste, wodurch deutlich wird, dass Abwehr im politischen und militärischen Sinn immer eine Konsequenz aus bedrohendem Verhalten der Gegner ist. Daraus erfolgt die Abwehr und schließlich ein Gegenangriff. Auch die Wörter heftig, stark, unsere und gemeinsam sind häufige Kollokationen.18 Eine Besonderheit bei der Verwendung des Wortes Abwehr im Bereich des Krieges besteht darin, dass es in erhöhter Anzahl in der Berichterstattung zum Luftkrieg Verwendung findet.19

Im Bereich Sport konnten für die ausgewählten Jahre vier Einträge mit dem Lexem Abwehr gefunden werde. Davon stammen drei aus dem Fußball und einer aus dem Mannschaftssport Hockey.

Ungarn ließ sich aber nicht leicht aus seiner Position abdrängen. Horvaths Schuß fand an Chrenka Abwehr , schon aber lanzierte Taussig ein Geschoß, das Brandstetter zu Merz dirigierte, aber Braunsteiners Versuche, an Rumbold vorbeizukommen, scheiterten. – – – – Jetzt fuhr Zsak dazwischen, verschuldete aber eine Ecke.
In: Kraus, Karl, Aus einem Epos, in: Die Fackel 20 (1914) Nr. 399, S. 27-28 (Quelle: DWDS Kerncorpus)

Dieser Kommentar über ein Länderspiel zwischen Ungarn und Deutschland aus dem Jahr 1914 ist das aussagekräftigste Beispiel der gefundenen Einträge, da hier am meisten Text vorhanden ist, der untersucht werden kann. Man erkennt, dass auch hier ein Schuss abgewehrt wird, nicht etwa der Ball. Schließlich könnte an dieser Stelle auch die Formulierung „der Ball fand an … Abwehr“ stehen. Da der Ball aber hier als ein Schuss, also als eine möglicherweise tödliche Kugel, die aus einem Gewehr oder ähnlichem abgefeuert wird, bezeichnet wird, ist auch die Art der Verteidigung eine militärische und demnach eine Abwehr. Auch die Wörter lanzieren und Geschoß weisen auf den militärischen Metapherngeber hin. Zwar ist der geschossene Ball im Sport keine Bedrohung für Leben oder Staat, aber immerhin eine Bedrohung für den Sieg, für den eigenen Strafraum, für Tor und Torwart. Demnach müssen diese Teilbereiche des Spiels durch bestimmte Maßnahmen vereitelt werden. Genauso wie im Krieg erfolgt die Abwehr im Sport als eine Reaktion auf den Angriff des Gegners. Der Angriff zeichnet sich hier durch das Voranbringen des Balles in die gegnerische Spielfeldhälfte aus, wird durch die Bezeichnung Schuss für den bewegten Ball aber zu einer kriegerischen Handlung metaphorisiert. Die kriegerische Bedeutung von Abwehr (einen Angriff vereiteln) wird also auch im Sport beibehalten, erfährt aber eine Erweiterung, weil Abwehr nicht nur die Aktion an sich bezeichnet, sondern auch eine Bezeichnung für alle defensiven Spieler einer Mannschaft darstellt. Auch im zweiten Beispiel

nun Liebrich in der Abwehr aus. Einen Bombenschuß Schäfer
In: o.A., Ausklang des Fußball-Weltturniers. in: Neue Züricher Zeitung (Fernausgabe) 06.07.1954, S. 3 (Quelle: DWDS Kerncorpus)

aus dem Jahr 1954 wird dieser Zusammenhang deutlich. Bombenschüsse müssen durch die Abwehr derselben aufgehalten werden, damit sie keinen Schaden anrichten. Ein Beispiel für Abwehr als Bezeichnung der Definsivabteilung einer Mannschaft liefert Giovanni Trapattoni mit der folgenden Aussage:

Trapattoni, Giovanni:… Offensivspieler habe, aber eine Abwehr, die nicht funktioniert? Im

In: o.A., „Fußball ist kein Theater“, in: Der Spiegel 14.10.1991, S. 256, 258 u. 260 (Quelle: DWDS Corpus für gesprochen Sprache)

Hier ist Abwehr keine Aktion als Reaktion, sondern eine feste Größe aus dem Bereich des Mannschaftsaufbaus.

Die Bedeutung des Wortes Abwehr ist also in beiden Bereichen, Krieg und Sport, weitestgehend identisch. In beiden Fällen ist Abwehr die Vereitelung eines gegnerischen Angriffes, die durchgeführt werden muss, um Schaden für die eigene Mannschaft oder die eigene Armee abzuwenden. Während im Krieg allerdings nur von Abwehr als Aktion gesprochen wird, der teilweise menschliche Eigenschaften zugesprochen werden, kann die Abwehr im Sport darüber hinaus auch die Defensivspieler einer Mannschaft zusammenfassen und wird dadurch nicht nur vermenschlicht, sondern steht für eine bestimmte Gruppe von Menschen, die auf diese Art und Weise von der menschlichen Ebene eines einzelnen Spielers auf die allgemeine Ebene eines Mannschaftsteils übertragen wird.

    4.2. Bomber

    Das Wort Bomber wird im allgemeinsprachlichen Lexikon nicht explizit aufgeführt. Unter dem Eintrag Bombe findet man zwei Bedeutungsvarianten: erstens die Bombe als ein mit Sprengstoff gefüllter Metallkörper. zweitens als eine Stahlflasche, die zum Transport von verflüssigtem Gas dient. Bomber erscheint nur als B-52-Bomber, also als Bezeichnung für ein amerikanisches Fernbomberflugzeug einer bestimmten Sorte.20

Im Fußball bezeichnet das Wort Bomber einen Spieler, in den meisten Fällen einen Stürmer, der überdurchschnittlich viele Tore erzielt, weswegen er von den anderen Mannschaften gefürchtet wird. Die Verwendung des Wortes leitet sich metaphorisch aus der Militärsprache ab, in der Bomber ein Militärflugzeug meint, mit dem Bomben abgeworfen werden können.21 Die genauere Erläuterung der Begriffserklärung des Militärlexikons ist deswegen hier nicht von Bedeutung. Viel eher kann die Metaphorik damit veranschaulicht werden, indem man sich bildlich vor Augen führt, wie der Vorgang des Bombenabwerfens von einem Flugzeug aus aussieht. Aber auch die technischen Details tragen zur Metaphorik bei. So ist ein Flugzeug in der Lage, ohne größere Probleme in den Bereich des Gegners zu gelangen, ebenso wie es einem guten Stürmer gelingen muss, die gegnerische Abwehr zu überwinden.

Da der Einsatz aufgrund der technischen Entwicklung von Kampfbombern erst seit dem Zweiten Weltkrieg vermehrt stattfindet, können für die Jahre von 1900 bis Ende der 1930er Jahre keine Einträge für das Lexem gefunden werden. Mit 516 Funden steigt die Anzahl der Artikel in den 1940er Jahren explosionsartig an. Hier wird das Wort fast fünfmal so häufig verwendet wie in den 1980er Jahren, in denen das Wort nur selten benutzt wird. Ein Großteil der Einträge findet sich in Zeitungstexten. Nach 1949 erfolgt ein starker Rückgang zu den 1950er Jahren mit nur 74 Funden. Im folgenden Jahrzehnt gibt es einen erneuten Anstieg vor allem in literarischen Texten. Dies ist wahrscheinlich ebenfalls auf eine erhöhte Anzahl von Kriegsliteratur zurückzuführen. In den 80ern gibt es ebenfalls eine Spitze mit 148 Einträgen. Hier finden sich auch die einzigen Funde in wissenschaftlichen Texten, was dafür spricht, dass der Anstieg deswegen erfolgte. Das dieses Thema verstärkt wissenschaftlich behandelt wurde, liegt an technischen Neuerungen im Bereich der Militärflugzeuge. Ansonsten überwiegt das Lexem in allen Jahrzehnten in den Zeitungsartikeln. Nur noch ca. 20 Verwendungen gibt es in den 1990er Jahren.22

Bomber wird in fast allen gefundenen Einträgen des DWDS Kernkorpus in seiner ursprünglichen Form verwendet. Also als Bezeichnung für ein Flugzeug, das Bomben abwirft. Dabei ist auffällig, dass es bei der Berichterstattung über den Luftkrieg besonders wichtig zu sein scheint, die genaue Anzahl an abgeschossenen oder beschädigten Bombern wiederzugeben.23 Außerdem werden die Flugzeuge nicht einfach als Bomber bezeichnet, sondern es werden häufig Angaben zu ihrer Motorleistung gemacht.24 Des weiteren ist zu erwähnen, dass von Bombern meistens dann die Rede ist, wenn es sich um feindliche Flugzeuge handelt, welche entweder angreifen oder abgeschossen werden. Nur selten ist während des Zweiten Weltkrieges von deutschen Flugzeugen als Bomber die Rede. Demnach handelt es sich bei einem Bomber nicht nur um ein Flugzeug, mit dessen Hilfe Bomben abgeworfen werden können, sondern in der Regel um ein feindliches angreifendes Flugzeug.25 Dies wird auch in den vom DWDS zusammengestellten Kollokationen sichtbar.26 Die Wörter britisch und feindlich befinden sich an dritter und vierter Stelle der Liste, das Wort amerikanisch an siebter. Besonders häufig finden sich auch die Lexeme abschießen und ab (von abstürzen), was darauf hindeutet, dass die deutsche Berichterstattung vor allem darauf bedacht war, die eigenen Erfolge darzustellen. Wie oben bereits angedeutet sind die technischen Details der Bomber ebenfalls von besonderer Bedeutung. Bei den Kollokationen befindet sich das Wort viermotorig an der ersten Position.

Wortverwendungen im Bereich des Sports finden sich nur im Jahr 1936 in der Berichterstattung über den Boxkampf zwischen Max Schmeling und Louis, genannt der „Braune Bomber“. Dieser Gebrauch von Bomber ist dem Gebrauch in der Kriegsberichterstattung sehr ähnlich. Auch hier handelt es sich bei Louis um den „Feind“, bzw. den Gegner des Deutschen Max Schmeling. Er greift an und möchte den Deutschen besiegen. Außerdem weist die Verwendung des Lexems Bomber als Bezeichnung für einen Boxer noch auf andere Zusammenhänge hin, die ebenfalls mit Technik in Verbindung stehen. Zwar geht es hier nicht um die technischen Daten eines Flugzeuges, aber es geht um die Technik und Kampfkraft eines Boxers. Die Technik eines Boxers ist mit der Angriffsweise eines Bombers zu vergleichen. Ein Bomber wirft eine Bombe ab, indem er meist im Dunkeln, also nicht sichtbar, und schnell angreift. Ebenso kann der Haken eines Boxers den Gegner treffen. Unvorbereitet, schnell, nicht zu kalkulieren. Er trifft mit der Wucht einer Bombe auf und explodiert förmlich auf der getroffenen Stelle des Gegners. Also kann ein Boxer als Bomber bezeichnet werden, weil seine Fäuste bzw. Faustschläge Bomben sind.

    Tatsächlich hatte Schmeling ein hohes Ziel, eine feste Überzeugung und auch Mut hinter seiner eigenen Überzeugung. Niemand glaubte, daß er sich vor Louis fürchten würde, wie gewisse andere Gegner des „Braunen Bombers „. – Der Deutsche ist eben doch aus etwas festerem Material geschaffen. Wie Schmeling in die erste Runde ging und loslegte, das genügte, um die Zweifler von seinem Mut zu überzeugen.
    In: Hellmis, Arno, Schmeling Anwärter auf die Weltmeisterschaft, in: Völkischer Beobachter (Ausgabe A / Norddeutsche Ausgabe) 21.07.1936, S. 1 (Quelle: DWDS Kerncorpus)

In dieser Quelle wird Bomber ganz eindeutig als Eigenname verwendet, was auch durch die Hervorhebung durch Anführungszeichen deutlich wird. Bomber ist also keine Bezeichnung für jeden Boxer, sondern nur für solche, die genügend technisches Können und Stärke beweisen. Im Fußball ist dies ebenso. Nur die torgefährlichsten Spieler, mit der stärksten Schusstechnik, werden als Bomber bezeichnet so wie der „Bomber Gerd Müller“, der „Bomber der Nation“. Dieser Fußballspieler aus den Achtziger Jahren war für seine unhaltbaren Torschüsse bekannt. Während in der Kriegsberichtserstattung niemals von der Besatzung der Flugzeuge gesprochen wird, der Mensch also ausgeklammert wird, wenn die Bezeichnung Bomber verwendet wird, dient sie in der Sportsprache dazu, einen besonders guten Spieler (Menschen) hervorzuheben.

    4.3. Deckung

    Für das Wort Deckung kennt das Allgemeine Lexikon vier verschiedene Bedeutungen.27 Die erste Bedeutung stammt aus dem Bereich Wirtschaft und meint die Sicherstellung des Darlehengebers. Auch die zweite Bedeutung ist in diesem Bereich anzusiedeln. Sie stammt aus den Finanzwissenschaften, hier bedeutet Deckung, dass den Ausgaben ausreichende Einnahmen gegenüberstehen. In der dritten Bedeutungsvariation wird Deckung ebenfalls benutzt, um einen Vorgang zu beschreiben, der im weitesten Sinne mit Geld in Verbindung steht. Dabei meint Deckung währungspolitisch die Bereithaltung der Notenbank an Gold und Devisen, durch die umlaufende Banknoten eingelöst werden können. Obwohl die vierte Bedeutung laut Lexika aus dem Versicherungswesen stammt, ist auch hier Geld im Spiel. Bei Versicherungen meint Deckung demnach den geleisteten Versicherungsschutz, bzw. den Höchstbetrag, den der Versicherte zu erwarten hat, wenn Schäden zu ersetzen sind.

Im Sport hat Deckung dagegen gar keine wirtschaftliche Bedeutung, sondern umschreibt die Vorgänge, die von der Abwehr geleistet werden. Die defensiven Spieler einer Mannschaft „decken“ die gegnerischen Offensivspieler, so dass diese daran gehindert werden, einen Ball annehmen zu können.28

Militärisch bedeutet Deckung Schutz vor dem Gegner. Eine bereits vorhandene oder geschaffene Erhebung im Gelände kann als Deckung dienen, so dass man von den gegnerischen Truppen nicht gesehen werden kann, wodurch man nicht so leicht angreifbar ist. Deckung ist also die Bezeichnung für den Gegenstand oder Landschaftsbereich, hinter dem man Schutz vor den Angreifern sucht.29

Anders als bei den bisherigen Wörtern zeigt die Verlaufsstatistik für das Wort Deckung zwei Maxima mit ca. 300 Einträgen in den Jahren von 1920 bis 1940. Das liegt daran, dass hier weniger die militärische Deckung im Vordergrund steht, sondern das Wort hauptsächlich in seiner wirtschaftlichen Bedeutung verwendet wird. Wegen des Börsenkrachs am „Schwarzen Freitag“ 1929 wird das Lexem in diesen Jahren besonders häufig in Zeitungsberichten gefunden. Mit 190 Vermerken sind es auch in den Jahren von 1910 bis 1920 viele Einträge, hier aber vor allem in der Gebrauchsliteratur. In den 40er Jahren gibt es mit 120 Funden nur noch etwa halb so viele Verwendungen wie in den Jahren davor. Im folgenden Jahrzehnt kann ein erneuter Anstieg verzeichnet werden. Dieser Anstieg steht wahrscheinlich mit der wirtschaftlichen Situation Deutschlands und den vergebenen Aufbaukrediten zusammen. Mit ca. 100 Einträgen wird in den 80ern das Minimum erreicht. Insgesamt haben Zeitungsartikel den größten Anteil unter den Fundorten, aber auch in der Belletristik wurden viele Funde gemacht. Weil Deckung zwar aus dem Militär stammt, in den meisten Fällen aber in der Wirtschaft verwendet wird, ist das Lexem nicht nur in Kriegszeiten häufig zu finden.30

Für die untersuchten Jahre findet sich das Wort Deckung in erster Linie im Bereich der Wirtschaft. Deckung hat hier die Bedeutung des Allgemeinsprachlichen Lexikons, meint also, dass genügend von einer bestimmten Ware vorhanden ist, um den Bedarf abzudecken.31 Es geht demnach nicht um den Schutz des Lebens wie in Kriegszeiten und auch nicht um den Schutz eines bestimmten Spielfeldraumes wie im Fußball, sondern um den Schutz von finanziellen, bzw. wirtschaftlichen Mitteln. Auch die Kollokationen zeigen die besonders häufige Verwendung des Wortes im wirtschaftlichen Bereich.32 Im Bereich Krieg wurden leider keine Einträge gefunden, so dass für die Untersuchung auf die Definition des Militärlexikons zurückgegriffen werden muss. Zwei Quellen gibt es aus dem Bereich Sport. Eine für den Fußball, von dem bereits angesprochenen Länderspiel zwischen Ungarn und Deutschland, eine aus dem Bereich Boxen aus der Berichterstattung von dem Kampf Louis gegen Schmeling. Dabei hat das Wort Deckung im Fußball eine andere Bedeutung, denn im Boxen. Während im Boxen eine bestimmte Art und Weise der Armhaltung, durch die der Körper vor gegnerischen Treffern geschützt wird, gemeint ist, ist es im Fußball wiederum die Bezeichnung für bestimmte Spieler innerhalb der Mannschaft und ihre Aufgaben auf dem Fußballfeld.

Jetzt fuhr Zsak dazwischen, verschuldete aber eine Ecke. – Durchbruchsversuche Ungarns fanden zumeist bei unserer Deckung ihr Ende, nur einmal kam Pataky durch, Brandstetter störte ihn und der Schuß von rechts wurde Plhaks Beute. Zsak erhaschte ebenfalls einen Schuß von Fischera, nun aber eine impulsive Attacke gegen Ungarn, Merz beschäftigte Heinzl, dessen Zenter Braunsteiner an Fischera abtrat, der, obgleich bewacht von den gegnerischen Verteidigern, in der 34. Minute ins Netz köpfte.
In: Kraus, Karl, Aus einem Epos, in: Die Fackel 20 (1914) Nr. 399, S. 27-28 (Quelle: DWDS Kerncorpus)

Durch die Verwendung des Pronomens unser wird das Lexem Deckung personalisiert. Hier wird auch die Identifikation von Reporter und Leser mit der Nationalmannschaft deutlich. Im Gegensatz zur militärischen Verwendung des Wortes ist hier keine Begebenheit in der Landschaft, hinter der Schutz gesucht werden kann bedeutet, sondern eine Spielweise auf dem Fußballfeld. Die Deckung besteht in der Regel aus Defensivspielern, welche den eigenen Strafraum und das eigene Tor schützen, indem sie Manndeckung betreiben oder die gegnerischen Bälle vor dem eigenen Strafraum abfangen. Die Aufgabe der Deckung wird bestimmten Spielern zu Beginn eines Spiels aufgetragen. Daher können diese Spieler in ihrer Gesamtheit ebenfalls als Deckung bezeichnet werden.

In keinem Augenblick schien Louis fähig, die Rechten seines Gegners aufzuhalten, die regelmäßig trafen. Das unerwartete Ergebnis scheint die Ansicht einer kleinen Zahl von Beobachtern zu bestätigen, daß Louis von einem Boxkämpfer geschlagen werden kann, der es versteht, seine Deckung zu öffnen und sein Gleichgewicht zu zerstören. – Italiens größte Sportzeitung, die „Gazetta dello Sport“, widmet dem Kampfverlauf die ganze erste Seite und schreibt u.
In: Hellmis, Arno, Schmeling Anwärter auf die Weltmeisterschaft, in: Völkischer Beobachter (Ausgabe A / Norddeutsche Ausgabe) 21.07.1936, S. 1 (Quelle: DWDS Kerncorpus)

Das Beispiel aus dem Boxsport zeigt die Unterschiede in der Bedeutung in Bezug auf den Fußball. Deckung ist hier allein die Aufgabe des Boxers. Es ist seine Deckung und nicht die unsere. Bei einem Boxer kann die Deckung geöffnet werden, während sie im Fußball durchbrochen werden muss. Obwohl Boxen als Sport mindestens genauso gefährlich und schmerzintensiv ist wie die Ballsportarten (wenn nicht sogar noch mehr), wird hier durch die Wortwahl ein anderer Eindruck vermittelt. Dass die Deckung auf dem Fußballplatz durchbrochen werden muss, zeigt aber wieder die starke Verbindung der Fußballsprache zu Militär und Krieg. Auch die Angriffslinien oder die Deckung einer Armee muss durchbrochen und nicht geöffnet werden. Die Deckung eines Boxers wird bestimmt durch die Technik des Sports und die Fähigkeiten des einzelnen Sportlers. Der Boxer sucht Schutz vor den Treffern des Gegners. Im Fußball ist die Deckung ein Element der Taktik und wird bereits vorher besprochen. Sie wird von mehreren Spielern einer Mannschaft geleistet und dient dem Schutz des eigenen Strafraumes vor dem Eindringen der Gegner bzw. des Balls.

Trapattoni, Giovanni:… auch nicht ohne anständige Deckung in einen Kampf gegen

In: o.A., „Fußball ist kein Theater“, in: Der Spiegel 14.10.1991, S. 256, 258 u. 260 (Quelle: DWDS Corpus der gesprochenen Sprache)

Auch Giovanni Trapattoni verbindet in dieser Aussage das Wort Deckung klar mit Krieg bzw. einer körperlichen Auseinandersetzung, indem er das Lexem Kampf benutzt. Seiner Meinung nach ist eine anständige Deckung ein wichtiger Bestandteil in einem Kampf. Da er Fußballtrainer ist, somit über Fußball spricht, lässt sich aus dieser Äußerung entnehmen, dass er erstens Kampf und Fußball gleichsetzt und zweitens Deckung als einen Teilbereich von Kampf und somit des Fußballsportes ansieht.

    4.4. Flanke

    Dem Alltagssprecher wird keine Bedeutung für das Wort Flanke geliefert, während es im Fußball gleich drei Bedeutungen gibt.33 Zum einen meint Flanke die Seiten der gegnerischen Spielfeldhälfte, zum anderen gibt es zwei metaphorische Übertragungen für das Wort. Beide beziehen sich auf eine Schusstechnik, durch die sich der Ball in einer bestimmten Art und Weise vorwärts bewegt. Erstens ist Flanke der halbhohe oder hohe Schuss aus der Außenposition des Feldes (im Bereich der Eckfahne), durch den der Ball in den Fünfmeterraum vor dem Tor gelangt. Zweitens bezeichnet Flanke einen , der vom linken oder rechten Flügel des Feldes geschossen wird und hoch oder halbhoch über einen großen Teil des Feldes fliegt.

Nur die erste Bedeutungsvariante des Fußballs ist im Militär wieder zu finden. Hier steht Flanke für den rechten oder linken Abschluss einer Antrete-, Marsch- oder Gefechtsordnung. Die Flanke ist der schwächste und verwundbarste Teil der Gruppierung, weswegen die Flanken besonders gesichert werden müssen. Ähnlich ist es auch im Fußball. Gelingt es einer Mannschaft nicht frontal, also durch die Mitte des Feldes, zum gegnerischen Tor zu gelangen, so muss das Vorrücken über die Flanken geschehen. Auf diese Weise kann die gegnerische Mannschaft auseinander gezogen werden, wodurch sich neue Angriffsräume ergeben.34

Das Wort Flanke erreicht bereits in den ersten zehn Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts das Maximum von 160 Einträgen. Allein 132 dieser Einträge stammen aus dem Bereich der Wissenschaftstexte, was wiederum auf eine verstärkte Beschäftigung der Wissenschaft mit dem Thema Krieg verweist. Die größte Anzahl an Einsätzen in Zeitungstexten hat das Lexem allerdings in den 40er Jahren durch die Kriegsberichterstattung. Ab 1920 hält das Wort einen relativ konstanten Anteil in der Belletristik wegen der literarischen Verarbeitung der Kriegserlebnisse. 1960 wird das Minimum an Einträgen erreicht. Von diesem Zeitpunkt an erfolgt ein starker Rückgang der Erwähnungen, jetzt trägt die Belletristik den Hauptanteil.35

Im Kernkorpus des DWDS finden sich für die gesuchten Jahre keine Quellen für das Wort Flanke, in denen es im Bereich Sport verwendet wird. Obwohl das Lexem seinen Ursprung in der Körperlichkeit der Menschen hat, gibt es in erster Linie Texte, in denen das Wort in der Kriegsberichterstattung verwendet wird. Die erste Bedeutung des Wortes ist demnach die Bezeichnung für die Seiten des menschlichen Körpers, meistens in Bezug auf Atmung und Lungentätigkeit. Im Militär bzw. Krieg wird die Armee also personifiziert und als Körper betrachtet, dessen Seiten angegriffen und verletzt werden können. Die Flanken sind häufig der verletzlichste Teil einer Armee und müssen deswegen besonders geschützt werden.36 Es handelt sich dabei immer um den Teil der Truppen, welcher an den äußeren Positionen einer Kampfaufstellung zu finden ist. Häufig werden die Flanken auch mit den Himmelsrichtungen versehen, um deren Position deutlicher zu machen.37 Dabei gibt es eine rechte und eine linke Flanke.38 In den gefundenen Kollokationen werden diese beiden Wörter an erster Stelle genannt.39 Alle weiteren Kollokationen beziehen sich auf Flanke in diesem militärischen Sinn. Sie wird bedroht, muss gedeckt werden, befindet sich an der Front und wird vom Feind angegriffen. Um diese Bedeutung mit der Verwendung im Fußball zu vergleichen muss, auf den Korpus der gesprochenen Sprache zurückgegriffen werden, da hier Quellen für den Einsatz des Wortes im Sport zu finden sind. In diesen Äußerungen sind die unterschiedlichen Bedeutungen, die das Lexem Flanke im Fußball besitzt, zu erkennen.

Laven Paul: Der Meeraner (unverständlich) auf des Tor los, Goodale ist zur Stelle und wehrt ab. Bergmeier läuft Flanke , flankt exakt auf den Elfmeterpunkt: Volley-Schuß, Tor! Tor-Rufe, Beifall) Achtung, hier ist der Länderkampf Deutschland – England im Deutschen Stadion zu Berlin.
In: Laven, Paul, Reportage vom Fußball-Länderkampf Deutschland gegen England im Berliner Stadion, 16.05.1930 (Quelle: DWDS Kerncorpus)

Hier wird Flanke als Bezeichnung für den Raum des Fußballfeldes an den Seitenlinien genutzt. In dieser Verwendung wird das Wort also nicht in Bezug auf eine Gruppe von Menschen eingesetzt, wie das im Falle einer Armeeflanke getan wird. Durch die ursprüngliche Bedeutung von Flanke als Körperseite kann auch hier von einer Personifizierung gesprochen werden. Die Eigenschaften des Körpers werden auf das Spielfeld übertragen.

Laven, Paul: Hier sind alle deutschen Sender. Der Kampf steht in der zweiten Halbzeit, fünf Minuten nach Beginn der zweiten Hälfte 2: 2. Eine Flanke von Bergmeier strich zum Elfmeterpunkt, Richard Hoffmann wollte ihn volley aufnehmen, verpaßt ihn, hält ihn aber dann doch und schießt flach in die linke Ecke. Bergmeier – Schuss- Aus!
In: Laven, Paul, Reportage vom Fußball-Länderkampf Deutschland gegen England im Berliner Stadion, 16.05.1930 (Quelle: DWDS Kerncorpus)

Dieser zweite Fall verwendet Flanke in einer anderen Bedeutung. Hier handelt es sich um den Schuss des Spielers Bergmeier, der vom äußeren Spielfeldrand zum Elfmeterpunkt gemacht wird. Flanke als Bezeichnung für einen solchen Schuss wird vom Standort des Spielers zum Zeitpunkt der Ballberührung hergeleitet. Der Spieler befindet sich an einer Außenseite des Spielfeldes also der Flanke. Deswegen wird auch diese Schusstechnik als solche bezeichnet. Diese Bedeutung des Wortes ist am weitesten von der ursprünglichen Bedeutung entfernt und hat auch keinen Bezug mehr zur militärischen Verwendung des Lexems.

Anders als beim Militär wird das Wort Flanke im Fußball nicht als Bezeichnung für einen bestimmten Teil der Mannschaft verwendet. Im Militär ist die Flanke die Personengruppe einer Armee, welche sich an den äußeren Rändern befindet. Beim Fußball werden die Spieler an diesen Positionen in der Regel als Flügelspieler, oder als Links- / Rechtsaußen bezeichnet. Flanke meint hier die äußeren Bereiche des Feldes und in der Ableitung hiervon einen Schuss, der aus diesem Bereich abgegeben wird.

    4.5. Granate

    Allgemeinsprachlich versteht man unter Granate ein Artilleriegeschoß mit Sprenglandung.40 Im Fußball besitzt das Wort zwei Bedeutungen in metaphorischer Verwendung.41 Eine Granate ist ein extrem harter, wuchtiger Schuss, der auch als Bombe bezeichnet werden kann. Außerdem wird ein sprintstarker, kraftvoller (explosiver) Spieler, der torgefährlich ist, als Granate bezeichnet. Das Militärlexikon definiert Granate als ein Geschoss, das aus einer Waffe abgefeuert oder von Hand geworfen wird. Sie kann mit explosiven aber auch chemischen Kampstoffen befüllt sein. Es werden elf verschiedene Arten von Granaten unterschieden, die eine jeweils unterschiedliche Wirkungsweise aufzeigen.42

    Das Wort Granate besitzt einen hohen Anteil an Funden in der Belletristik ab 1920. In den beiden Jahrzehnten davor wird das Lexem hauptsächlich in der Gebrauchsliteratur verwendet, während es in den 30ern seinen Höhepunkt in wissenschaftlichen Texten erreicht. Die höchste Anzahl an Einträgen erreicht das Lexem in den 1920er Jahren mit 234 Belegen. Diese Maxima sind mit der nach dem Ersten Weltkrieg erschienenen Kriegsliteratur zu erklären. Mit nur noch 15 Funden gibt es in den 60ern das Minimum. Für Verwendungen in Zeitungen wird das Maximum zwischen 1910 und 1920 erlangt; dies ist auf die Kriegsberichterstattung zurückzuführen. Granaten, vor allem Giftgasgranaten, besaßen im Ersten Weltkrieg einen höheren Stellenwert als im darauf folgenden Krieg. In den folgenden Jahrzehnten fallen die Funde stark ab bis 1970, danach gibt es einen leichten Anstieg vor allem in Zeitungstexten und in der Belletristik. Das gefundene Maximum zeigt etwa doppelt so viele Fälle wie in den anderen Jahrzehnten.43 Für die ausgewählten Jahre lassen sich für das Wort Granate keine Einträge aus dem Bereich Sport finden. Der Hauptanteil der Quellen belegt den Gebrauch des Lexems im militärischen Bereich. Dabei gibt es einen geringen Anteil an Belegen aus der Wissenschaft, die meisten Funde gibt es allerdings für das Gebiet Krieg. Das Wort erscheint häufig mit den Verben sprengen, zerreißen, Schaden und bersten.44 Alle diese Wörter umschreiben die Wirkungsweise von Granaten. Leider erhält man durch das DWDS hierzu keine Kollokationen, welche diesen Zusammenhang weiter bestätigen würden. Auch im Corpus der gesprochenen Sprache können keine Belege für eine Verwendung im Sport gefunden werden. Dennoch ist eine solche Nutzungsweise einleuchtend. Ähnlich wie in dem Fall von Bomber ist die Wirkungsweise der Granaten ausschlaggebend für eine Verwendung des Lexems im Fußball. Als Granaten werden Schüsse bezeichnet, welche eine solche Wucht und Durchschlagskraft haben, dass sie nahezu unhaltbar werden. Die oben genannten Eigenschaften von Granaten können also auch auf einen solchen Schuss angewendet werden. Im Krieg besteht der beste Schutz vor einer Granate darin, in Deckung zu gehen und die Explosion abzuwarten. Ein Torwart im Fußball hat diese Möglichkeit nicht. Er muss sich der Granate stellen, da es seine Aufgabe is,t den Einschlag, also das Tor, zu verhindern. Eine Granate aber ist unhaltbar, weswegen der Tormann seine Aufgabe nur in den seltensten Fällen lösen kann.

    4.6. Mannschaft

Im allgemeinsprachlichen Lexikon gibt es keine Bedeutungsmöglichkeiten für das Wort Mannschaft. Sportlich bezeichnet Mannschaft alle Spieler, die zur jeweiligen Truppe gehören.45 Also nicht nur die Spieler, die ein momentanes Spiel bestreiten, sondern alle Spieler, die theoretisch an einem solchen Spiel teilnehmen könnten. Zur Mannschaft gehören also auch die Ersatzspieler und die Verletzten. In der Militärsprache bedeutet Mannschaft eine Gruppe von Soldaten in niederen Rangstufen, bzw. der „Gemeine Soldat“.46

    Für das Wort Mannschaft erreicht die Verlaufsgrafik ihr Maximum in den 1930er Jahren mit 490 Funden. Dies ist auf die Olympischen Spiele in Berlin 1936 zurückzuführen. Aber auch 1940 werden viele Belege für Zeitungstexte gemacht, hier geht es allerdings nicht um Sportlermannschaften, sondern um Soldaten in der Kriegsberichterstattung. Schon 1900 gibt es mit 245 Funden eine hohe Anzahl von Einträgen, vor allem für die wissenschaftlichen Texte. Zu dieser Zeit wurden viele wissenschaftliche Abhandlungen zum Thema Kriegsführung verfasst. Nach 1930 gibt es einen starken Abfall an Funden, bis es 1980 wieder zu einem leichten Anstieg kommt. Ab 1990 ist die Anzahl der Belege aber schon wieder gesunken.47

    Es gibt viele Belege für das Wort Mannschaft aus dem Bereich Sport für die gesuchten Jahre. Anscheinend ist dieses Wort aus dem Militärischen schon so sehr zu einem Wort aus dem Bereich Sport geworden, dass die sportliche Verwendung häufiger erscheint. Auch in den Kollokationen finden sich viele Wörter, die diese Vermutung bestätigen.48 Militärisch wird das Lexem häufig in einem Atemzug mit den Worten Offizier, Unteroffizier, Hauptmann und Leutnant genannt.49 So werden immer wieder die Unterschiede in der Rangstufe zwischen der Mannschaft und den Führungspersonen klar gemacht. Es gibt alte oder junge Mannschaften, erfahrene und unerfahrene.50 Der Kameradschaftsgedanke der Soldaten innerhalb einer Mannschaft wird verstärkt angesprochen. Außerdem muss der Soldat sich in einer Mannschaft einordnen, aus einzelnen Soldaten wird eine Mannschaft geformt. Auffallend ist, dass die Mannschaft, bei der es sich ja um Soldaten also Menschen handelt, bei der Aufzählung von Verlusten immer in der Verbindung mit materiellen Dingen wie Waffen oder Fahrzeugen genannt wird.51 Das Wort Mannschaft in der militärischen Verwendung dient also auch dazu, innerhalb einer Armee vom Status des Menschen abzulenken. Der Verlust von Menschen wird einfacher zu ertragen und auch darzustellen, wenn man nicht an einzelne Gesichter und Menschen denken muss, sondern nur an eine Gruppe, in der der Einzelne eher in Vergessenheit geraten kann. Während die Verwendung von Mannschaft also einerseits das Gefühl der Kameradschaft unter den Kameraden betonen soll, dient sie andererseits dazu, vom einzelnen Menschen abzulenken. Die Soldaten werden nicht mehr als Einzelpersonen wahrgenommen, sondern als Mannschaft, Truppe, Armee. Auch im sportlichen Bereich wird das Wort zur Verallgemeinerung eingesetzt.

Die ersten zwei jeder Gruppe kamen sodann in die Hauptrunde, die in zwei Gruppen zu je vier Mannschaften ausgetragen wurde und aus dieser Runde qualifizierten sich wieder je zwei für die Schlußrunde. Die Mannschaften waren eingeteilt: 1. Runde: Gruppe A: Canada, Österreich, Polen, Lettland. Gruppe B: Deutschland, Amerika, Italien, Schweiz.
In: o.A., IV. Olympische Winterspiele 1936 [17.02.36], in: Archiv der Gegenwart 6 (1936), S. 2429
(Quelle: DWDS Kerncorpus)

Um diese Verallgemeinerung wieder ein wenig aufzuheben, werden die einzelnen Länder genannt. Demnach besitzt jedes Land eine Mannschaft. Es ist nie von den Sportlern die Rede, welche die Mannschaft bilden, sondern immer nur von der Mannschaft und deren Herkunft. Diese Benennung der Herkunft erfolgt im militärischen Bereich ebenso wie im sportlichen.

Das Wort Mannschaft wird aber auch noch in vielen anderen Bereichen verwendet. Sehr häufig wird es genutzt, um die Besatzung eines Schiffes zu benennen. Oder auch bei der Bezeichnung für die Mitglieder einer bestimmten Berufsgruppe, deren Hierarchien ähnlich denen des Militärs sind zum Beispiel, um kleinere Verbände von Polizisten oder Feuerwehrleuten zu benennen. Dies lässt erkennen, dass die Sturkturen im Sport denen im Militär ebenfalls ähnlich sein müssen. In der Mannschaft befinden sich diejenigen, die in der Hierarchie ganz unten stehen aber den größten Anteil an der Öffentlichkeit besitzen. Im Sport sind das die Sportler selbst, im Militär die einfachen Soldaten, bei der Polizei der einfache Polizist. Die Führung einer solchen Mannschaft wird immer von der nächsthöheren Stufe übernommen: im Militär vom Offizier und im Sport vom Trainer. Diese Unterscheidung von Mannschaft und höhergestellter Person findet also nicht nur im Militär statt, sondern auch im Sport.

hängen durch. Trainer und Mannschaft liegen im Streit. Im
In: o.A., Ungeklärter Auftrag, in: Der Spiegel 18.06.1990, S. 230-231
(Quelle: DWDS, Kerncorpus)

Dadurch, dass hier davon die Rede ist, dass Trainer und Mannschaft streiten, wird dieser Unterschied in der „Rangfolge“ noch deutlicher.

In beiden Bereichen bezeichnet das Wort also eine Gruppe von Menschen („Mann“), die durch ihren Status dieselbe Zugehörigkeit besitzen. Man kann auch sagen, dass es sich um eine Bezeichnung für die Gruppe der Arbeiter handelt, da es sich militärisch und sportliche um diejenigen handelt, welche die eigentlichen Aufgaben ausführen (Fußball spielen, in den Krieg ziehen). Demnach besitzt dieses Lexem meiner Meinung keine Unterschiede in seiner Bedeutung für die beiden Bereiche. Allerdings ist Mannschaft heutzutage definitiv stärker der sportlichen denn der militärischen Sprache zuzuordnen, da das Wort immer die Vorstellung von einem Sportlerteam hervorruft.

    4.7. Parade

    Das allgemeinsprachliche Lexikon gibt ebenso die militärische, als auch die sportliche Bedeutung des Wortes zur Auswahl.52 Sportlich bedeutet Parade das Anhalten oder Ablenken eines Angriffs beim Fechten, Boxen, Ringen und anderen Sportarten. Ein Angriff wird abgewehrt. Im Fußball bezieht sich diese Abwehrreaktion vor allem auf den Torwart, der versucht, im Sprung oder im Fallen einen auf das Tor zufliegenden Ball zu fangen oder zurückzuschlagen, so dass er nicht ins Tor gelangt.53 Militärisch ist eine Parade der Aufmarsch der Truppen mit Musik, der Vorbeiflug von Fliegerkräften oder auch das Paradieren von Militärschiffen. Im Militär gibt es verschiedene Arten von Paraden z.B. die Trauerparade zur Ehrung von Verstorbenen.54

    70 Funde zeigt die Verlaufsgrafik für Parade im dritten Jahrzehnt des Zwanzigsten Jahrhunderts; damit ist das Maximum erreicht. Wahrscheinlich ist dieser Höhepunkt auf die häufige Durchführung von Aufmärschen zu Propagandazwecken unter Hitler zurückzuführen. Während der Kriegsjahr folgt dann ein rapider Abfall der Belege. Absolute Minimawerte erreicht das Lexem im ersten und im siebten Jahrzehnt. Vom ersten zum zweiten Jahrzehnt erkennt man eine Steigerung von ca. 50 Prozent. Auch nach dem zweiten Minimum in den 1970er Jahren erfolgt ein starker Anstieg, der 1990 seinen Höhepunkt erreicht. Dieser ungewöhnlich hohe Anstieg am Ende des Jahrhunderts ist allerdings nicht mehr auf militärische Aufmärsche zurückzuführen, sondern steht mit der in Berlin durchgeführten „Love Parade“ in Zusammenhang.55 56

    Das DWDS liefert für die untersuchten Jahre nur Belege aus dem Bereich der Militärparaden. Dabei handelt es sich um eine große Veranstaltung, bei der viele Personen teilnehmen und die dazu dient Stärke zu demonstrieren und eindrucksvoll im Gedächtnis der Zuschauer zu bleiben.57 Aus dem Bereich Sport gibt es im Kerncorpus und auch im Corpus der gesprochenen Sprache keine Belege, weswegen ich gezwungen bin für den Vergleich auf die Bedeutungen des Fußballlexikons zurückzugreifen. Nach dieser Definition ist eine Parade die Abwehr des Balles vom Torwart in einer torgefährlichen Situation. Auf den ersten Blick besitzen diese beiden Verwendungen keine Gemeinsamkeiten. Deswegen ist hier der Herkunftsbereich der Metapher wahrscheinlich nicht in der Militärsprache, sondern eher in anderen Sportarten zu suchen. Beim Fechten ist eine Parade ebenfalls die Abwehr eines gegnerischen Angriffs. Da es sich hier um eine sehr alte Sportart handelt, wurde diese Bezeichnung vielleicht von den anderen Sportarten vom Fechten übernommen.

    Trotzdem können Gemeinsamkeiten zwischen einer Militärparade und einer sportlichen Parade erkannt werden. Beide dienen dazu dem Gegner zu zeigen welche Stärken man besitzt. Die gelungene Parade eines Torwart hilft dabei den Gegner zu verunsichern und zu schwächen. Obwohl die Bedeutungen der beiden Verwendungen also sehr unterschiedlichen sind, gibt es Zusammenhänge die für den Rezipienten wahrnehmbar sind und auch wahrgenommen werden sollen.

  1. Fazit

Die Untersuchung zeigt deutlich, dass Krieg und Militär als Strukturmetapher für den Fußball dienen. Alle Bereiche des Spiels, die mit Taktik, Spielaufbau und Hierarchien zu tun haben, werden mit Hilfe von Militärmetaphern bezeichnet. Hier zeigt sich, dass die Gegensätze Sieg und Niederlage, Angriff und Abwehr, Trainer und Mannschaft für den Sport ebenso gelten, wie für Krieg und Militär. Aber dennoch haben nicht alle der untersuchten Wörter, die auch in der Militärsprache zu finden sind ihren Metaphernursprung auch dort, sondern sie können auch aus anderen Fachsprachen stammen. Je nachdem, ob die Bedeutung des Militärwortes zur gewollten Bedeutung des Fußballwortes passt.

Die Bedeutungsunterschiede zwischen der militärischen und der sportlichen Verwendung sind immer zu erkennen, aber nicht immer sehr ausgeprägt. Durch die Eigenschaft von Metaphern nur Teile der ursprünglichen Bedeutung zu können, kommen diese Bedeutungsunterschiede zustande. Der Zielbereich Fußball übernimmt für seine Fachsprache die Teilbedeutungen, welche für das Verständnis des Sports notwendig sind. Ist ein Wort fähig zusätzlich andere Bereiche des Spiels zu umschreiben, so kommt es zu Bedeutungserweiterungen, die den Bedeutungen im Militär nur noch entfernt ähnlich sind. Alle tödlichen Aspekte des Krieges werden beispielsweise nicht auf den Fußball übertragen. Neben der Übertragung der Militärstruktur auf den Fußball werden aber auch noch andere Eigenschaften des Krieges, des Militärs, von Soldat und Maschine auf den Sport und die Sportler übertragen. Dies sind in der Regel Dinge wie körperliche, technische und taktische Stärke und Überlegenheit. Durch die Verwendung der Militärmetaphern wird der Kampfcharakter des Spiels hervorgehoben, weil fast alle untersuchten Wörter im Fußball eine sehr ähnliche Bedeutung haben wie im Militär. Somit wird das Spiel Fußball zu einem Fußballkrieg. Die Metaphern dienen dazu in den Beteiligten die Vorstellung eines Fußballkampfes hervorzurufen. Dennoch bleibt die Strukturierung des Sports mit Hilfe der Metaphern der wichtigste Aspekt. Aber ihre ursprüngliche Bedeutung ist nicht vollständig dadurch verloren gegangen, dass sie nun in einem völlig anderen Lebensbereich genutzt werden. Auch wenn viele Menschen heute Wörter wie Abwehr oder Mannschaft nur noch mit Sport in Verbindung bringen, so bleibt die unbewusste Assoziation mit Krieg dennoch erhalten. Deswegen kann die Aussage „Fußball ist Krieg“ als gefestigt angesehen werden. Hat man die Atmosphäre in einem Stadion schon einmal selbst erlebt, dann ist es einfach nachzuvollziehen, warum.

1vgl.: Lakoff / Johnson, S. 22 ff

2Lakoff / Johnson, S. 31

3vgl.: Lakoff / Johnson, S. 51

4Lakoff / Johnson, S. 75

5Lakoff / Johnson, S. 83

6Lakoff / Johnson, S. 71

7Lakoff / Johnson, S. 138

8Lakoff / Johnson, S. 76

9vgl.: Lakoff / Johnson, S. 128

10vgl.: Mehling, Artikel für Abwehrmechanismen, Abwehrspannung, Abwehrsystem

11vgl.: Burkhardt, Artikel für Abwehr und Komposita

12vgl.: Artl / Bauer, Artikel für Abwehr

13Vgl.: DWDS, Kerncorpus, Wortverlauf Abwehr, http://www.dwds.de/?verteilung=1&corpus=1&qu=Abwehr

14 Diese seien mit allem ausgestattet, was die kampfgeschulte Besatzung brauche. Für Sicherung der Nachrichtenverbindung, für Abwehr jeder Gefahr, für Munitionsversorgung, Verpflegung, Wasserversorgung und alle nötigen sanitären Einrichtungen in den tiefgelegenen Ruheräumen sei alle Vorsorge getroffen. L. B. 4130 D.) –
In: o.A., Wehrmacht [10.07.39], in: Archiv der Gegenwart 9 (1939), S. 4133 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

15 Nachtjäger schossen zwei britische Flugzeuge ab. Bei der Abwehr feindlicher Fliegerangriffe zeichnete sich das

unter dem Kommando des Oberleutnants zur See, Heimberg, stehende Vorpostenboot durch den Abschuß von vier feindlichen Flugzeugen besonders aus. Das Hauptquartier der italienischen Wehrmacht gab bekannt: – In Nordafrika hat der Feind, der seit mehreren Tagen eine Offensivaktion vorbereitete, an der Sollum-Front am Sonntag mit starken Kräften angegriffen.
In: o.A., Wehrmacht. Frontbericht. See-(Handels-) Krieg. ITALIEN. Wehrmacht [16.06.41], in: Archiv der Gegenwart 11 (1941), S. 5063 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

16 Mit sichtbarem Ergebnis wurden zahlreiche Treibstoff-, Munitions- und Materiallager getroffen. Trotz der heftigen Abwehr , sind alle unsere Flugzeuge zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt. Feindliche Flugzeuge haben Crotone bombardiert und unter Maschinengewehrfeuer genommen.
In: o.A., Wehrmacht, Frontbericht. ITALIEN. Wehrmacht [02.09.41], in: Archiv der Gegenwart 11 (1941), S. 5177 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

17Zwischen Heiderode in Westpreußen und Mewe an der Weichsel hielt der sowjetische Druck unverändert an. Alle Angriffe blieben nach geringen Anfangserfolgen vor unserer zähen Abwehr liegen. Die Besatzungen von Posen und Graudenz leisten dem Feind unverändert hartnäckigen Widerstand.
In: o.A., Wehrmacht, Frontbericht. Invasion [22.02.45], in: Archiv der Gegenwart 15 (1945), S. 6698 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

18vgl.: DWDS, Kerncorpus, Kollokationen für Abwehr, http://www.dwds.de/?statistik=1&corpus=1&qu=Abwehr

19 Am 11. Januar flogen einem Kommuniqué der Schonan-Kommandantur zufolge etwa 20 amerikanische Großflugzeuge über Schonan (Singapore) ein. Die japanische Abwehr erzielte zwei Abschüsse und beschädigte weitere 14 der angreifenden Flugzeuge. Am 24. Januar wurde von japanischer Seite gemeldet, die erwartete Entscheidungsschlacht in Nordburma habe begonnen.
In: o.A., Wehrmacht. OSTASIEN. Pazifikkrieg. Allgemeines. BURMA, PHILIPPINEN [27.01.45], in: Archiv der Gegenwart 15 (1945), S. 6673 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

20vgl.: Mehling, Artikel für Bombe

21vgl.: Burkhardt, Artikel für Bomber

23 Durch die feindliche Lufttätigkeit in der Nacht wurden besonders Hagen und der Raum von Hannover betroffen. Nachtjäger und Flak-Artillerie der Luftwaffe brachten 36 meist viermotorige Bomber zum Absturz.
In: o.A., Wehrmacht, Frontbericht. Invasion [16.03.45], in: Archiv der Gegenwart 15 (1945), S. 6723 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

24 In der vergangenen Nacht waren der norddeutsche Raum, die Reichshauptstadt und das Ruhrgebiet Ziele britischer Bomber. Luftverteidigungskräfte brachten 39 anglo-amerikanische Flugzeuge, in der Mehrzahl viermotorige Bomber , zum Absturz. Das Vergeltungsfeuer auf London wurde fortgesetzt.
In: o.A., Wehrmacht, Frontbericht, See-(Handels-) Krieg. Invasion. HOLLAND. Invasion [09.02.45], in: Archiv der Gegenwart 15 (1945), S. 6686 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

25 Deutsche Kampfflugzeuge versenkten aus einem flüchtenden Kriegsschiffverband einen Zerstörer und beschädigten einen Kreuzer sowie einen weiteren Zerstörer. In Luftkämpfen und durch Flak-Artillerie wurden zehn feindliche Bomber abgeschossen. Bei Annäherung des Feindes wurde das deutsche Vorpostenboot „Föhn“ durch zahlreiche britische Bomber angegriffen.
In: o.A., Wehrmacht, Frontbericht, See-(Handels-) Krieg. ITALIEN. Wehrmacht [28.12.41], in: Archiv der Gegenwart 11 (1941), S. 5331(Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

26vgl.: DWDS, Kerncorpus, Kollokationen für Bomber, http://www.dwds.de/?statistik=1&corpus=1&qu=Bomber&sort=1

27vgl.: Mehling, Artikel für Deckung

28vgl.: Burkhardt, Artikel für Deckung

29vgl.: Artl / Bauer, Artikel für Deckung

30vgl.: DWDS, Kerncorpus, Wortverlauf für Deckung, http://www.dwds.de/?verteilung=1&corpus=1&qu=Deckung&sort=1

31Die Regierung werde daher die auf den 1. Januar 1967 beschlossene“ Herabsetzung der Einkommenssteuer ein halbes Jahr hinausschieben und die auf den 1. Januar 1978 in Aussicht gestellte Erhöhung der Umsatzsteuer bereits am 1. Juli 1967 erlassen. Hieraus resultiere für das Staatsbudget 1967 eine zusätzliche Deckung von 500 Mill. Gulden.
In: o.A., Zijlstra bildet Minderheitsregierung; Auflösung der 2. Kammer, Neuwahlen [25.11.66], in: Archiv der Gegenwart 36 (1966), S. 12825 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

32vgl.: DWDS, Kerncorpus, Kollokationen für Deckung, http://www.dwds.de/?statistik=1&corpus=1&qu=Deckung&sort=1

33vgl.: Burkhardt, Artikel für Flanke

34vgl. Artl / Bauer, Artikel für Flanke

35vgl.: DWDS, Kerncorpus, Wortverlauf für Flanke, http://www.dwds.de/?verteilung=1&corpus=1&qu=Flanke&sort=1

36 Die Umstände waren folgende: Im Morgengrauen wurde der Feind von uns stark bedrängt, worauf die 137. Division als Verstärkung eingesetzt wurde. Wir gaben aber dem Feind keine Gelegenheit, sich zu entfalten und stießen dem Feind in die Flanke . Schnell war er umzingelt.
In: o.A., Wehrmacht [11.08.41], in: Archiv der Gegenwart 11 (1941), S. 5149 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

37 Westen: Alliiertes Hauptquartier: An der nördlichen Flanke des Frontvorsprunges in den Ardennen wurde der Angriff trotz erbittertem Widerstand südlich von Lierneux um 3 1/ 2 km vorwärtsgetragen, weiter westlich Le Falaise und Fraiture zurückerobert und die Straße St. Vith-Laroche an drei Stellen besetzt.
In: o.A., Militärische Berichte [08.01.45], in: Archiv der Gegenwart 15 (1945), S. 25 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

38 Die Reste von zwei deutschen Panzerdivisionen versuchten mit Unterstützung einer italienischen Panzerdivision wieder, sich einen Weg durch die von britischen und neuseeländischen Truppen verteidigten Ortschaften in der Gegend von Sidi Rezegh und Bir el Hamid nach Westen zu bahnen. Die britischen Panzerkräfte unternahmen Gegenangriffe auf die linke Flanke des Gegners und vereitelten dadurch seine Durchbruchsversuche. Bei Einbruch der Nacht dauerten die Kämpfe noch an.
In: o.A., Wehrmacht [08.12.41], in: Archiv der Gegenwart 11 (1941), S. 5301 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

39vgl.: DWDS, Kerncorpus, Kollokationen für Flanke, http://www.dwds.de/?statistik=1&corpus=1&qu=Flanke&sort=1

40vgl.: Mehling, Artikel für Granate

41vgl. Burkhardt, Artikel für Granate

42vgl.: Artl / Bauer, Artikel für Granate

43vgl.: DWDS, Kerncorpus, Wortverlauf für Granate, http://www.dwds.de/?verteilung=1&corpus=1&qu=Granate&sort=1

44 Es kommt auf jeden Mann an – In einem altersgrauen Forsthaus liegt der Gefechtsstand einer Kampfgruppe der Waffen-SS. Im Feuer der in die Wände eingebauten Kamine knistern funkensprühend die mächtigen Buchenscheite, die den düsteren Raum erfüllende wohlige Wärme läßt ein Gefühl der Geborgenheit aufkommen, und fast ist man geneigt zu vergessen, daß die feindlichen Granaten das Dach des Gebäudes erst vor kaum einer Stunde zerrissen haben. Der Kommandeur ist jung, seine Aufgabe schwer und seine Verantwortung groß.
In: o.A., Die Schlacht in der Pußta, in: Das Schwarze Korps 04.01.1945, S. 3 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

45vgl.: Burkhardt, Artikel für Mannschaft

46vgl.: Artl / Bauer, Artikel für Mannschaft

47vgl.: DWDS, Kerncorpus, Wortverlauf für Mannschaft, http://www.dwds.de/?verteilung=1&corpus=1&qu=Mannschaft&sort=1

48vgl.: DWDS, Kerncorpus, Kollokationen für Mannschaft, http://www.dwds.de/?statistik=1&corpus=1&qu=Mannschaft&sort=1

49 – gefallenen Offiziere und Mannschaften bekannt. Hiernach fanden 1301
In: o.A., Die italienischen Verluste an der griechischen Front, in: Völkischer Beobachter (Norddt. Ausgabe) 10.01.1941, S. 2 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

50 die Jahrgänge der jungen Mannschaft später einmal auch noch
In: o.A. [olf.], Die Losung des Generalfeldmarschalls für 1939, in: Völkischer Beobachter (Berliner Ausgabe) 02.03.1939, S. 1-2 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

51 Im Gebiet von Luzk haben unsere Truppen den Vormarsch bedeutender feindlicher Formationen zum Stehen gebracht. Im Laufe der Kämpfe, die seit Tagen in diesem Frontabschnitt herrschen, erlitt der Feind schwere Verluste an Mannschaften und Material. Unsere Truppen haben einen planmäßigen Rückzug durchgeführt und befehlsgemäß Lemberg geräumt.
In: o.A., Wehrmacht [07.07.41], in: Archiv der Gegenwart 11 (1941), S. 5108 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

52vgl.: Mehling, Artikel für Parade

53vgl.: Burkhardt, Artikel für Parade

54vgl.: Artl / Bauer, Artikel für Parade

55vgl.: DWDS, Kerncorpus, Wortverlauf für Parade, http://www.dwds.de/?verteilung=1&corpus=1&qu=Parade&sort=1

56vgl.: DWDS, Kerncorpus, Kollokationen für Parade, http://www.dwds.de/?statistik=1&corpus=1&qu=Parade&sort=1

57 Den Höhepunkt der Feierlichkeiten bildeten die Veranstaltungen in der Reichshauptstadt Berlin: Die Gratulationen des diplomatischen Korps, der Reichsregierung, der Wehrmacht, des Reichsprotektors Freiherrn v. Neurath, des Staatspräsidenten Hacha, des slowakischen Ministerpräsidenten Tiso und der Gemein den des Großdeutschen Reiches und die große Parade der Wehrmacht. Ehrengäste aus 24 Auslandstaaten nahmen an den Feierlichkeiten in Berlin teil.
In: o.A., Führer. Nationalsozialismus, Allgemeines [20.04.39], in: Archiv der Gegenwart 9 (1939), S. 4032 (Quelle: www.dwds.de, Kerncorpus)

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